Der Grieche Kostas wird nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in Polen als Partisanenheld verehrt. Zygmunt, genannt Sacharin, ist nach dem Ersten Weltkrieg der Schmugglerkönig von Gdynia. Janis, Kostas’ Sohn, gilt als die große Hoffnung des polnischen Boxsports. Und Zulu, Zygmunts Zögling, ist fest entschlossen, in die Fußstapfen seines Mentors zu treten. Doch das Schicksal – oder sind es die Götter? – hält gänzlich andere Pläne für sie bereit.
Sieben Jahrzehnte. Vier Männer. Und eine geheime Uranmine, die zum düsteren Fixpunkt ihrer Geschichten wird.
Maciej Siembieda gehört zu den erfolgreichsten Gegenwartsschriftstellern Polens, und es ist höchste Zeit, dass dieser Ausnahmeautor auch in Deutschland die Aufmerksamkeit erhält, die er zweifellos verdient. Mit Katharsis ist ihm ein Roman gelungen, der weit über die Grenzen eines Politthrillers oder eines Historienepos hinausgeht. Denn bei Siembieda sind die geschichtlichen und politischen Umwälzungen, die Polen zwischen 1920 und 1990 erschütterten, nicht bloß Kulisse, sie sind die eigentliche Hauptfigur. Mit erzählerischer Virtuosität verwebt er Geschichte, Politik und persönliche Schicksale zu einem Geflecht, in dem ich mich von der ersten Seite an nur allzu gern verfangen habe.
Siembieda ist für mich die polnische Antwort auf Umberto Eco: Auch wenn beide ihren eigenen, unverwechselbaren Stil pflegen, besitzen sie ein untrügliches Gespür dafür, historische Wirklichkeit und Fiktion auf ebenso kluge wie unterhaltsame Weise miteinander zu verschränken.
Fazit: Es gibt Bücher, die man mit großem Vergnügen liest. Und es gibt Bücher, die den eigenen Horizont erweitern. Katharsis gelingt beides – und genau deshalb ist dieser Roman für mich das Lese-Highlight des Jahres.
[Werbung/Rezensionsexemplar. Ich danke Birgit Böllinger vom Büro für Text und Literatur sowie dem Polente Verlag herzlich für die kostenlose Bereitstellung dieser Ausnahme-Lektüre.]

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