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Andreas Fischer: Böll kam nicht bis Troisdorf

Troisdorf 2025: Es ist eher ein Zufall, der den mittlerweile 64-jährigen Andreas zurück in seine Heimatstadt führt. Ein Boot soll er fotografieren, für einen Prospekt über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der unspektakulär anmutende Auftrag löst indes eine Erinnerungskaskade aus, die ihn in seine Jugend zurückkatapultiert …

 

Troisdorf 1979: Andreas ist 18 und hat nur einen Wunsch: Schriftsteller werden. Am besten mit einem Mentor. Doch nicht irgendeinen, nein. Es soll kein Geringerer sein als – Dream big! – Heinrich Böll. Mit dem Mut der Jugend schreibt er ihm, doch der Nobelpreisträger würdigt ihn keiner Antwort. Stattdessen tritt der exaltierte Dichter und Böll-Bekannter Frieder Salzgraf in sein Leben. Zunächst als Dozent eines Schreibkurses, dann als … ja, was eigentlich? Als der ersehnte Mentor? Als etwas verunglückte Vaterfigur? Gar als – Freund? Je enger der Kontakt zwischen dem Älteren, Erfahrenen und dem Jüngeren, Hoffnungsvollen wird, umso verstörender verhält sich Salzgraf. Und umso ungesunder entwickelt sich ihre Beziehung. Erst vierzig Jahre später soll Andreas in der Lage sein, sich aus den jahrzehntelang nachwirkenden Erfahrungen zu befreien.

 

Böll kam nicht bis Troisdorf ist Andreas Fischers zweites Werk nach seinem erfolgreichen autofiktionalen Roman Die Königin von Troisdorf, und es steht seinem Vorgänger in nichts nach. Dass sich auf rund 150 Seiten eine Coming-of-Age-Story, ein Panorama der Bonner Republik, eine Reflexion über Träume und Lebenswege sowie eine Hommage an Wolfgang Korruhn vereinen lassen, grenzt an ein literarisches Kunststück. Andreas Fischer gelingt es mit einer Leichtigkeit, die nie oberflächlich wirkt und hinter der sich eine bemerkenswerte gedankliche und emotionale Tiefe verbirgt. Hier und da schimmern durch die Zeilen sanfte Melancholie, leiser Humor und eine sympathische Selbstironie hervor, behutsam getragen von einem Staunen über das Leben, das die Jahrzehnte überdauert hat.

 

Böll kam nicht bis Troisdorf ist eine ebenso kluge wie berührende Erzählung und verdient viele, viele Leserinnen und Leser. Und wer Andreas Fischers ersten Roman Die Königin von Troisdorf noch nicht kennt, dem sei auch dieser mit Nachdruck ans Herz gelegt.

 

[Werbung/Rezensionsexemplar. Ich danke Andreas Fischer und Birgit Böllinger herzlich für das Leseexemplar.]

 

Andreas Fischer: Böll kam nicht bis Troisdorf. eschen4verlag 2026. 157 S.

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