Wenn ihr (wie ich) bislang dachtet, die besten Thriller kämen aus den USA, Großbritannien und Skandinavien – dann kennt ihr vermutlich die Romane von Magdalena Parys noch nicht. Sie beweist, dass auch Polen eine absolute Thrillernation sein kann.
Denn ihr Prinz (aus dem Polnischen von Lothar Quinkenstein und Hans Gregor Njemz) hat es in sich: Eine in Brand gesetzte Migrantensiedlung. Ein auf bestialische Art ermordeter Priester im Berliner Dom. Ein selbsternannter „Prinz“, der von einem neuen Imperium Germanicum fantasiert. Dazu eine undurchsichtige Geheimdienstorganisation, separatistische Bestrebungen einzelner und der, man möchte sagen: alltägliche Macht- und Intrigenwahnsinn auf höchster politischer Ebene in der Bundeshauptstadt. Während Polizeipräsident Tschapieski, Kommissar Kowalski und die Journalistin Dagmara Bosch versuchen, die Zusammenhänge zu entwirren, geraten sie selbst ins Fadenkreuz ihrer unsichtbaren (?) Feinde – und setzen dabei einmal mehr ihr Leben aufs Spiel …
Magdalena Parys’ Roman, unlängst im Polente Verlag erschienen, ist der zweite Band ihrer Berlin-Trilogie (deren Auftakt Der Magier ebenso lesenswert ist wie sein Nachfolger hier). Der Autorin gelingt erzählerisch so etwas wie die sprichwörtliche Quadratur des Kreises: eine temporeiche Handlung, die konsequent die Spannung aufrecht erhält, und gleichzeitig genügend Raum für die politischen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe des Geschehens und der ausgesprochen originellen Figuren. Dabei ist „Der Prinz“ nicht nur klug und gekonnt konstruiert, er liest sich überdies auf geradezu unheimliche Weise wie eine unheilvolle Prophezeiung. Wenn man bedenkt, dass das Buch im Original bereits 2020 erschienen ist (Wieso nur hat es so lange gedauert, bis er seinen Weg auf den deutschen Buchmarkt gefunden hat?!), muss man Magdalena Parys beinahe hellseherische Fähigkeiten zugestehen. Oder einen kristallklaren Blick auf das was war, was ist – und was hoffentlich niemals eintritt.
Für mich definitiv eine der faszinierendsten literarischen Entdeckungen der letzten Zeit – sehr, sehr große Leseempfehlung!
[Werbung/Rezensionsexemplar. Ich danke Birgit Böllinger und dem Polente Verlag herzlich für das mir kostenlos zur Verfügung gestellte Leseexemplar.]
Magdalena Parys: Der Prinz. Aus dem von Lothar Quinkenstein und Hans Gregor Njemz. Polente Verlag 2026. 424 S.

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