Einige Jahre nach der traumatischen Kreuzfahrt, die sie beinahe das Leben gekostet hätte, will Lo einen beruflichen Neuanfang wagen. Die Journalistin ist mittlerweile verheiratet und Mutter zweier entzückender Jungs. Und so sehr Lo ihr glückliches Familienleben auch schätzt, in ihrer Karriere musste sie in den vergangenen Jahren zurückstecken. Als Lo die Einladung zu einem Pre-Opening eines Luxushotels am Genfer See erhält, sieht sie darin die ersehnte Chance eines Comebacks. Doch statt des erhofften Interviews mit dem exzentrischen Hotelbesitzer erwartet sie ein unerwartetes Wiedersehen – und eine erneute Gefahr.
Kennt ihr das? Ihr schaut einen spannenden Film – Horror, Thriller, was auch immer –, und die Hauptfigur (in aller Regel weiblich, hübsch und nichts Böses ahnend) macht wirklich ALLES, was dem gesunden Menschenverstand zu widersprechen scheint? Und ihr sitzt vor dem Fernseher und wollt ihr zuschreien: „Nein! Tu das nicht! Du rennst in dein Verderben!“ Und dann tut sie’s doch …
So in etwa erging es mir bei der Lektüre von The Woman in Suite 11. Ihre Protagonistin Lo ist treuen Ruth-Ware-Leser*innen, auch mir, bereits aus dem Roman The Woman in Cabin 10 bekannt – und das machte für mich die Wahrnehmung (und vor allem das Ernstnehmen) der Figur leider noch schwieriger. Denn hier wollte ich ihr zusätzlich zuschreien: „Du müsstest es doch besser wissen!“ – Das tut sie natürlich nicht, und genau daran krankt die Story aus meiner Sicht. Denn während man im Vorgängerroman, wie auch in den meisten Thrillern, der Hauptfigur noch zugute halten kann, dass sie vollkommen unbedarft in finstere Machenschaften und damit in Gefahr gerät, greift diese Erklärung hier nicht. Das machte für mich die Motivation, die Entscheidungen und Handlungen der Protagonistin weitestgehend erratisch und nicht nachvollziehbar.
Dabei ist die Story durchaus spannend – vielleicht wäre es ihr zuträglicher gewesen, als eigenständiger Roman mit einer neuen Hauptfigur konzipiert zu werden, und nicht als Sequel. Und tatsächlich habe ich mir die Frage gestellt, ob ich den Roman anders wahrnehmen und bewerten würde, wenn ich den Vorgänger nicht gekannt hätte. So indes vermochte der Roman mich leider nicht wirklich zu überzeugen.
[Werbung/Rezensionsexemplar. Ich danke NetGalley und dtv für die kostenlose Bereitstellung des E-Books.]
Ruth Ware: The Woman in Suite 11. Deutsch von Susanne Goga-Klinkenberg. dtv 2025 (E-Book)

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