Zweiunddreißig Jahre Seite an Seite. Vier gemeinsame Kinder. Und dann verlässt ein Mann seine Frau. Wegen einer anderen. So weit, so alltäglich, möchte man seufzen. Ein typischer Fall von Midlife-Crisis, klar. Da wird die Ehefrau kurzerhand – nun ja, „ausgewechselt“ …
Dass dieses Phänomen zur Lebensmitte, das man landläufig „Midlife-Crisis“ oder (weitaus profaner) „Wechseljahre“ nennt, existiert, daran dürfte kaum jemand zweifeln. Viel interessanter ist indes: Wie erleben die Betroffenen diese Phase, die sie mal mehr, mal weniger stark trifft, die das bisherige Leben durcheinanderwirbelt und mitunter erbarmungslos über den Haufen wirft?
Dieser Frage geht Doreen Mechsner in Ausgewechselt. Gespräche über die Lebensmitte nach. Dort kommen acht Männer und acht Frauen zu Wort, die jeweils ihre eigene buchstäblich wechselvolle Geschichte erzählen, die ihre Gedanken und Gefühle, ihre Hoffnungen und Ängste mitteilen. Dass die sehr persönlichen Erlebnisse nicht in – pardon – Betroffenheitskitsch oder Selbsthilfequark abgleiten, ist der stilistischen Souveränität und sprachlichen Versiertheit der Autorin zu verdanken, die den Erfahrungen ihrer Gesprächspartner:innen ebenso behutsam wie feinsinnig Form verleiht. Alle Berichte könnten von einem selbst, der eigenen Schwester, dem besten Freund stammen. Und genau darin liegt die Stärke des Buches, denn es zeigt: Das Alltägliche ist nicht banal. Es ist traurig und freudvoll, berührend und erhellend, bewegend und ermutigend. Und das Leben erklärt am besten – das Leben selbst.
Große Leseempfehlung!
[Werbung/Rezensionsexemplar. Ich danke Doreen Mechsner und dem umland verlag herzlich für das mir kostenlos zur Verfügung gestellte Leseexemplar.]
Doreen Mechsner: Ausgewechselt. Gespräche über die Lebensmitte. umland verlag 2025. 264 S.

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